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Ein süßes Tütchen für jedes Schnütchen.

Jede Region hat ihre eigenen Koch- und Backgeheimnisse. Bei uns gehören definitiv die süßen Tütchen dazu. Wenn früher die Tage kürzer wurden, saßen schon meine Mutter und meine Großmutter bei einem Schwätzchen und einem warmen Viez am Küchentisch und haben die Süßigkeit im Akkord produziert. In der Luft hing der unverwechselbare Duft von karamellisiertem Zucker, Vanille und Zitrone. Eine Tradition, die wir bis heute bewahren.

 

Tütchen isst man in Orscholz und Umgebung das ganze Jahr. Größer oder kleiner gebacken, gefüllt oder pur. Aber im November und in der Adventszeit war es für mich immer ein ganz besonders heimeliges Gefühl, bei meiner Großmutter und meiner Mutter am Tisch zu sitzen, wenn die Tütchen mit einem runden, fast glühenden Waffeleisen gebacken wurden. Mit einer glänzenden Speckschwarte hat meine Großmutter die beiden Gusseisensiegel des Waffeleisens eingerieben, dann mit einem weißen Leinentuch gesäubert und nach dem nächsten Tütchen sogleich wieder eingefettet. 


Tütchen im Sekundentakt
Pro Portion kam ein kleiner, gut gehäufter Esslöffel Teig auf die Mitte des Eisens und die beiden Waffeleisenhälften wurden vorsichtig und einfühlsam aufeinandergedrückt. Zischend und dampfend lief der überflüssige Teig aus den offenen Seiten, wurde von meiner Mutter mit einer Speisengabel in einer fließenden Bewegung abgestrichen und in die Teigschüssel zurück getropft. Der Geruch und vor allem das wohlige Gefühl dabei werde ich nie vergessen. Vanille, Zitrone und der karamellisierende Zucker ergaben für mich einen vollkommenen Duft. 

 

Pappsatt und glücklich
War ein Tütchen gebacken öffnete Oma Trini behände das Waffeleisen, den nächsten Esslöffel mit Tütchenteig bereits in der anderen Hand. Meine Mutter nahm den kreisrund, hellbraun gebackenen Tütchenfladen mit der Gabel vom Waffeleisen und drehte ihn dann mit der Hand und Gabel geschickt zu einer Tüte zusammen. Das eingespielte Duo konnte so im Sekundentakt Tütchen backen und auf einem Gitter zum Auskühlen platzieren. Den Bruch und die zu dunkel gebackenen Tütchen durfte ich mir einverleiben. Leider meist nicht allein – aber es war stets genug so viel da, dass wir alle irgendwann pappsatt und glücklich waren.

Nach dem Backen verschwanden die leckeren Tütchen in einer mit Pergament ausgelegten Blechkiste im Keller und wurden nach drei bis vier Wochen endlich serviert. In dieser Zeit wurden spröden Teigtütchen weich und ein harmonischer Geschmack entwickelte sich.

 

Damals wie heute ein Gedicht!


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